EPDs verstehen: Basiswissen für nachhaltigere Luftfiltration
Gebäude, technische Anlagen und Filter rücken zunehmend in den Fokus von Klimazielen, ESG‑Strategien und Green‑Building‑Standards. Planer, Betreiber und Einkäufer benötigen dafür belastbare, vergleichbare Umweltdaten – genau hier setzen Environmental Product Declarations (EPD), also Umweltproduktdeklarationen an. Wir erklären, was eine EPD ist, welche Rolle das Life Cycle Assessment (LCA) für EPDs spielt, was ISO 14025 und EN 15804 damit zu tun haben und warum Umweltproduktdeklarationen für Luftfilter in der Gebäudetechnik eine zentrale Grundlage für mehr Nachhaltigkeit sind.
Was ist eine EPD – und was leistet eine Umweltproduktdeklaration?
Eine Umweltproduktdeklaration (Environmental Product Declaration, kurz EPD) ist eine standardisierte, verifizierte Deklaration für ein Produkt, die dessen Umweltwirkungen über den Lebenszyklus anhand mehrerer Umweltindikatoren in quantitativen Kennzahlen beschreibt. Grundlage für eine EPD ist immer eine Lebenszyklusanalyse (Life Cycle Assessment, kurz LCA), die nach anerkannten Methoden die Umweltauswirkungen von der Rohstoffgewinnung („Cradle“) bis zur Entsorgung oder Verwertung („Grave“) bilanziert.
Typische Inhalte einer Umweltproduktdeklaration nach ISO 14025:
- Treibhauspotenzial in kg CO₂‑Äquivalent über definierte Lebenszyklus‑Module
- Energieverbrauch (erneuerbar/nicht erneuerbar) und Ressourcenverbrauch
- Wasserverbrauch und weitere Umweltindikatoren nach EN 15804 bzw. EN 15804+A2
- Beschreibung von Systemgrenzen, funktionaler Einheit und Datengrundlagen (z. B. Primär‑ und Sekundärdaten, Datenbanken)
Eine Umweltproduktdeklaration trifft dabei im Gegensatz zu einem Zertifikat keine Wertung („gut/schlecht“, A+ oder F), sondern liefert neutrale Daten – eine EPD ist im besten Sinne ein technisches Umwelt‑Datenblatt und damit eine belastbare Basis für Produkte und deren Auswahl.
Die normative Basis: ISO 14025 und EN 15804
Die heute gängige Form der EPD-Erstellung und -Verifizierung im Bau‑ und TGA‑Bereich ruht im Wesentlichen auf zwei Normpfeilern:
- ISO 14025: definiert Prinzipien und Anforderungen für Typ‑III‑Umweltdeklarationen, also genau jene EPD, die auf quantitativen LCA‑Daten beruhen, nach festen Regeln erstellt und unabhängig geprüft werden.
- EN 15804: ist die zentrale europäische Norm für EPDs von Bauprodukten und technischer Gebäudeausrüstung und legt fest, welche Lebenszyklus‑Module, Indikatoren und Regeln für EPDs anzuwenden sind.
Mit der Überarbeitung EN 15804+A2 wurden u.a. zusätzliche Ressourcen‑ und Wasserindikatoren eingeführt und die Klimawirkung differenzierter dargestellt (z. B. separate Ausweisung fossiler und biogener Emissionen). Die ältere Fassung EN 15804+A1 wird Schritt für Schritt von A2‑konformen Deklarationen abgelöst, um ein aktuelles und konsistentes Bewertungsniveau zu gewährleisten.
LCA, EPD und Nachhaltigkeitsbericht: unterschiedliche Ebenen
Nachhaltigere Produkte und Unternehmensphilosophien können über verschiedene Indikatoren angezeigt werden. Für ein klares Verständnis lohnt die Trennung der Ebenen:
- LCA (Life Cycle Assessment): wissenschaftliche Methodik zur Berechnung von Umweltwirkungen über definierte Systemgrenzen, z. B. Cradle‑to‑Gate (A1–A3) oder Cradle‑to‑Grave (A1–C4).
- EPD: standardisierte Veröffentlichung dieser LCA‑Ergebnisse als Umweltproduktdeklaration nach ISO 14025 und EN 15804, inklusive unabhängiger Prüfung und Registrierung der EPD.
- CSR / Nachhaltigkeitsbericht: Berichterstattung auf Unternehmens‑ oder Standortebene (z. B. nach GRI), mit aggregierten Kennzahlen statt produktspezifischer Lebenszyklusdaten.
Für Entscheidungen auf Produktebene – insbesondere bei Produkten wie Filtern, Dämmstoffen oder Lüftungskomponenten – ist die EPD damit das präziseste Instrument.
Für welche Produkte gibt es Umweltproduktdeklarationen?
Umweltproduktdeklarationen sind heute vor allem etabliert für:
- Baustoffe wie Beton, Stahl, Holz, Mörtel, Putze
- Baunahe Systeme wie Böden, Fassaden, Dämmungen
- Komponenten der technischen Gebäudeausrüstung wie z. B. Rohre, Speicher, Lüftungskomponenten
Für Luftfilter – insbesondere Filter in RLT‑Anlagen – sind EPDs aus mehreren Gründen relevant:
- Filter beeinflussen den Druckverlust im Luftstrom und damit direkt den Strombedarf der Ventilatoren über ihre Standzeit.
- Sie werden regelmäßig gewechselt, wodurch Materialverbrauch, Transporte und Entsorgungsströme entstehen.
- Im Bereich Gebäudemanagement, etwa in Green‑Building‑Projekten (LEED, BREEAM, DGNB), zählt die Summe aller Bauteile; EPD-Produkte erlauben es, den Beitrag einzelner Komponenten zur Gesamtbilanz zu bewerten.
Damit sind EPDs ein zentrales Werkzeug, um die ökologische Leistung von Filterlösungen im Kontext der Nachhaltigkeit zu beurteilen.
Aufbau einer EPD: Lebenszyklus‑Module und Kennzahlen
Lebenszyklus‑Module nach EN 15804
Gemäß EN 15804 und EN 15804+A2 wird der Lebenszyklus eines Produkts in Module gegliedert:
Produktphase (A1–A3) – „Cradle to Gate“
- A1: Gewinnung und Aufbereitung von Rohstoffen (z. B. Stahl, Kunststoffe, synthetische Fasern für Filtermedien)
- A2: Transport zum Werk
- A3: Produktion des Filters inkl. Energieeinsatz und Hilfsstoffen
Bauprozessphase (A4–A5)
- A4: Transport zur Baustelle bzw. zum Einsatzort
- A5: Einbau/Installation im System
Nutzungsphase (B‑Module)
Für Luftfilter sind insbesondere relevant:
- B6: Betriebsenergie – zusätzlicher Energiebedarf durch den Druckverlust über die Standzeit. Weitere B‑Module (z. B. Wartung, Austausch) können je nach Produkttyp ausgewiesen werden.
End‑of‑Life (C1–C4)
- C1: Ausbau / Demontage
- C2: Transport zur Entsorgung
- C3: Abfallbehandlung (z. B. Sortierung)
- C4: Endgültige Entsorgung (Deponie, Verbrennung mit Energierückgewinnung)
Modul D – „Beyond the System Boundary“
Gutschriften für die Substitution von Primärmaterial oder Energie, z. B. durch Recycling von Metallanteilen oder energetische Verwertung.
EPDs können „Cradle to Gate“ (A1–A3), „Cradle to Gate with Options“ (A1–A3 plus ausgewählte Module) oder „Cradle to Grave“ (A1–C4, ggf. plus D) abdecken. Nach EN 15804+A2 sind für Bauprodukte die Module A1–A3 sowie C1–C4 und Modul D verpflichtend anzugeben; die B‑Module der Nutzungsphase – einschließlich B6 (Betriebsenergie) – sind abhängig von Produktgruppe, PCR und EPD‑Programm optional.
Umweltindikatoren: was EPDs messen
Pro funktionaler Einheit – etwa „ein Filter über seine empfohlene Nutzungsdauer“ – werden in einer EPD unterschiedliche Indikatoren ausgewiesen:
- Global Warming Potential (GWP) – Klimawirkung in kg CO₂‑Äquivalent
- Primärenergiebedarf (erneuerbar/nicht erneuerbar)
- Verbrauch endlicher Ressourcen (Metalle, fossile Rohstoffe)
- Wasserverbrauch bzw. Wasserverknappungspotenzial
- Potenzial für Versauerung, Eutrophierung und photochemische Ozonbildung (Sommersmog)
Mit EN 15804+A2 wurde insbesondere die Klimawirkung weiter differenziert (z. B. fossile vs. biogene Emissionen, Landnutzungsänderung).
Für Luftfilter zeigt die Erfahrung, dass häufig zwei Bereiche dominieren:
- Herstellung und Materialien (A1–A3)
- Energieverbrauch, sofern die Nutzungsphase (B6) in der EPD mitbetrachtet wird
In diesem Kontext sorgen Umweltproduktdeklarationen für mehr Transparenz und informierte Entscheidungen.
Nutzen von EPDs für Planer, Einkäufer und Betreiber
Entscheidungshilfe für Planer
Planungsbüros können Environmental Product Declarations nutzen, um:
- Luftfilter als Bauteile in Whole‑Building‑LCAs zu integrieren, in denen alle Komponenten zu einer Gesamtbilanz zusammengeführt werden.
- Varianten zu vergleichen (z. B. verschiedene Filterklassen oder Filtermaterialien) und ihre Auswirkungen auf den ökologischen Gebäude‑Fußabdruck zu quantifizieren.
Damit werden EPDs zu einem Baustein, um Luftqualität, Energieeffizienz und Nachhaltigkeit systematisch zusammenzudenken.
Objektive Basis für Ausschreibungen und Beschaffung
Im Einkauf und in Ausschreibungen helfen EPDs, Anforderungen klar zu formulieren, z. B.:
- „Verifizierte EPD nach ISO 14025 und EN 15804+A2 erforderlich.“
- „Nachweis einer verifizierten Umweltproduktdeklaration nach ISO 14025 und EN 15804 durch ein anerkanntes Programm.“
- „Deklaration des GWP (Cradle to Grave) je Filter und Jahr unter definierten Betriebsbedingungen.“
Da EPDs auf harmonisierten Regeln basieren, lassen sich Produkte verschiedener Hersteller auf Basis derselben funktionalen Einheit vergleichen – eine solide Grundlage für die Auswahl von Filtern mit nachweislich günstigen Umweltkennzahlen laut EPD.
Mehrwert für Betreiber und das Facility Management
Für Betreiber und Facility Manager bieten EPDs:
- Transparente Aufschlüsselung, wo im Lebenszyklus die größten Umweltwirkungen entstehen (Produktion vs. Betrieb vs. Entsorgung).
- Eine Grundlage, um energieeffiziente EPD-Produkte zu identifizieren, bei denen bspw. der Druckverlust und damit der Strombedarf über die Standzeit optimiert ist.
- Verlässliche Daten für Klimabilanzen und ESG‑Berichte, insbesondere bei Scope‑3‑Emissionen.
Gerade in großen Anlagen mit vielen Filtern – z. B. in Krankenhäusern, Flughäfen oder Rechenzentren – kann der Hebel erheblich sein, den EPD-Produkte bieten.
EPDs speziell für Luftfilter
Bei Filtern stehen typischerweise drei Kernthemen im Fokus:
- Filterklasse und Abscheidegrad: Höhere Klassen (z. B. ePM1) bieten besseren Schutz vor Feinstaub, können aber ein höheres Flächengewicht und damit einen potenziell höheren Anfangsdruckverlust mit sich bringen.
- Druckverlust über die Standzeit: Ein niedriger Anfangsdruckverlust und ein kontrolliertes Druckanstiegsverhalten sind entscheidend, weil der Energiebedarf der Ventilatoren meist einen großen Teil der EPD-CO₂‑Bilanz in Modul B6 ausmacht.
- Standzeit / Wechselintervall: Eine längere Standzeit reduziert die Anzahl der Wechsel, den Materialbedarf und Entsorgungsaufwand, kann aber mit einem steigenden Druckverlust einhergehen.
Die Stärke der Umweltproduktdeklaration liegt darin, diese Zielkonflikte sichtbar zu machen: Ein Filter mit etwas höherem Herstellungsaufwand kann über die Lebensdauer durch geringeren Energieverbrauch trotzdem den besseren ökologischen Fußabdruck haben – genau diese Differenzierung ist der Mehrwert eines sauberen LCA und einer präzisen EPD.
MANN+HUMMEL Air Filtration und EPDs: Bereit für die Zukunft
Seit über 80 Jahren sind wir führend in der Filtration. Auch, weil wir immer an die Zukunft denken. Unsere Vision von einem sauberen Planeten ist stark im Einklang mit EPDs. Schon jetzt erstellen wir Life Cycle Assessments für MANN+HUMMEL Produkte, schon heute ergänzen wir unser Portfolio um transparente EPDs, die unseren Kunden und Partnern die Entscheidung für Produkte von MANN+HUMMEL Air Filtration erleichtern.
Ein Überblick über einige unserer EPD-Filter:
- AirPocket ECO ePM1 65%
- AirPocket ECO ePM10 65%
- AirPocket ECO ePM10 50%
Sie haben Fragen zu LCAs, EPDs oder anderen Nachhaltigkeitsthemen bei MANN+HUMMEL? Kontaktieren Sie uns.
FAQ: Environmental Product Declarations (EPDs)
Eine Environmental Product Declaration (EPD) ist eine standardisierte, von einer unabhängigen Stelle geprüfte Umweltproduktdeklaration, die die Umweltauswirkungen eines Produkts über seinen gesamten Lebenszyklus in Zahlen darstellt. EPDs vom Typ III werden gemäß ISO 14025 erstellt und basieren auf festgelegten Produktkategorie-Regeln (Product Category Rules oder PCR). So ermöglichen sie einen transparenten, datenbasierten Vergleich von Produkten innerhalb derselben Produktgruppe. Die Grundlage für eine EPD bilden Lebenszyklusanalysen (LCA) nach international anerkannten Methoden.
Ein Life Cycle Assessment (LCA) – auf Deutsch meist Lebenszyklusanalyse – ist eine systematische, wissenschaftlich definierte Methode, mit der die Umweltwirkungen bzw. die Ökobilanz eines Produkts, Prozesses oder einer Dienstleistung über den gesamten Lebenszyklus hinweg quantifiziert werden. Dabei werden alle relevanten Phasen betrachtet – von der Rohstoffgewinnung über die Produktion, den Transport und die Nutzung bis hin zur Entsorgung oder dem Recycling – und in Form von Umweltkennzahlen wie Treibhauspotenzial, Energie- und Ressourcenverbrauch bilanziert, basierend auf den Normen ISO 14040 und ISO 14044.
Eine EPD ist rechtlich in den meisten Märkten nicht generell verpflichtend, wird jedoch zunehmend indirekt zur Voraussetzung, weil sie in Green‑Building‑Zertifizierungen, öffentlichen Ausschreibungen und bei der Erfüllung von Berichtspflichten (z. B. zu Scope‑3‑Emissionen) erwartet oder explizit gefordert wird; damit wird die EPD oder Umweltproduktdeklaration faktisch zu einem Schlüsselinstrument der Nachhaltigkeit.
Ein EPD-Dokument ist die veröffentlichte, verifizierte Umweltproduktdeklaration innerhalb eines anerkannten EPD‑Programms, das bestätigt, dass die zugrunde liegende EPD gemäß ISO 14025, den passenden Product Category Rules und – im Bausektor – EN 15804 (einschließlich A1/A2‑Erweiterungen) erstellt und von einer unabhängigen dritten Partei geprüft wurde; es dient Planern, Betreibern und Einkäufern als verlässlicher Nachweis für die Umweltleistung eines Produkts.
Eine EPD oder Umweltproduktdeklaration liefert detaillierte, quantitative Umweltkennzahlen – etwa zum CO₂‑Treibhauspotenzial, Energie- und Ressourcenverbrauch – ohne das Produkt zu bewerten oder in Klassen einzuteilen. Klassische Umweltlabels oder Energieeffizienzlabel fassen dagegen meist wenige Kriterien zu einer einfachen Einstufung (z. B. Energieklasse A–G) zusammen und geben keine vollständige Lebenszyklusbilanz wieder.
Die wichtigsten Normen sind:
- ISO 14025 2006 für Typ‑III‑Umweltproduktdeklarationen,
- ISO 14040/14044 für die Methodik der Lebenszyklusanalyse (LCA),
- EN 15804 als zentrale europäische Norm für EPDs von Bauprodukten und technischer Gebäudeausrüstung, mit den Ergänzungen EN 15804 2012, EN 15804+A1 und EN 15804+A2 2019.
Sie stellen sicher, dass Umweltproduktdeklarationen methodisch vergleichbar, nachvollziehbar und international anschlussfähig sind.
ISO 14025 ist die internationale Norm, die die Prinzipien und Anforderungen für Umweltdeklarationen des Typs III festlegt. Sie regelt unter anderem, wie LCA‑Daten zu verwenden sind, wie Product Category Rules aufgebaut sein müssen und welche Anforderungen an die unabhängige Verifizierung einer EPD gestellt werden.
Ein EPD nach ISO 14025 ist eine Umweltproduktdeklaration, die die Anforderungen der Norm erfüllt: Sie basiert auf einer LCA, folgt den gültigen Product Category Rules, wird durch eine unabhängige Stelle geprüft und in einem EPD‑Programm veröffentlicht. Häufig wird diese Form als EPD oder Umweltproduktdeklaration nach ISO 14025 und EN 15804 bezeichnet.
Eine LCA ist die detaillierte, oft interne wissenschaftliche Berechnung der Umweltwirkungen eines Produkts. Die EPD oder Umweltproduktdeklaration ist das darauf aufbauende, standardisierte und verifizierte Dokument, das diese Ergebnisse in strukturierter Form veröffentlicht – häufig als EPD-Zertifikat in einem Register. Ein CSR- oder Nachhaltigkeitsbericht betrachtet dagegen die Leistung eines gesamten Unternehmens (Umwelt, Soziales, Governance) und arbeitet meist mit aggregierten Kennzahlen statt produktspezifischen Lebenszyklusdaten.
EPDs sind insbesondere bei Bauprodukten, haustechnischen Systemen und Komponenten der technischen Gebäudeausrüstung verbreitet, weil diese maßgeblich zur Umweltbilanz eines Gebäudes beitragen. EPD-Filter in RLT‑Anlagen sind relevant, weil sie sowohl Material- und Entsorgungsaufwand verursachen als auch den Energiebedarf der Ventilatoren beeinflussen – beides wird in EPDs z. B. durch CO₂‑ und Energieindikatoren sichtbar und quantifizierbar.
Bei Luftfiltern zeigt eine EPD oder Umweltproduktdeklaration, wie sich Herstellung, Transport, Energieverbrauch im Betrieb und Entsorgung auf den ökologischen Gesamtfußabdruck auswirken. Dank EPDs können Einkäufer, Planer und Betreiber Filterlösungen wählen, die Luftqualität, Energieeffizienz und Nachhaltigkeit besser in Einklang bringen, statt nur nach Anschaffungskosten oder Einzelkennwerten zu entscheiden. Insbesondere bei größeren Anlagen und hohen Luftvolumenströmen kann dies von größter Bedeutung sein – sowohl im ökologischen als auch wirtschaftlichen Sinne.
EPDs liefern belastbare Produktdaten zu CO₂‑Emissionen, Energie- und Ressourcenverbräuchen, die sich für die Ermittlung von „Embodied Carbon“, für Scope‑3‑Bilanzierungen und für KPIs in ESG‑Strategien nutzen lassen. Zertifizierungssysteme wie LEED, BREEAM und DGNB erkennen verifizierte EPD nach ISO 14025 und EN 15804+A2 als qualifizierten Nachweis an. Sie können zur Punktevergabe beitragen, abhängig vom jeweiligen System und dem Anteil der Bauteile mit EPD.
Da EPDs international nach harmonisierten Regeln und auf Basis von Product Category Rules erstellt werden, können Auftraggeber in Ausschreibungen dank dieser Deklarationen klar definieren, welche Art von Produkt und welche Systemgrenzen sie erwarten. Produkte unterschiedlicher Hersteller – etwa verschiedene Filter – lassen sich dann auf Basis derselben funktionalen Einheit und derselben Umweltindikatoren strukturiert vergleichen, wodurch EPDs die Entscheidung objektiver und nachvollziehbarer machen.
Die in EPDs ausgewiesenen Kennzahlen werden pro funktionaler Einheit und Lebenszyklusmodul angegeben und können als Bausteine in Gebäude‑Ökobilanzierungen übernommen werden. In gängigen LCA‑Tools werden hierfür EPD‑Datensätze – häufig bereitgestellt über Programme nach ISO 14025 und EN 15804 – importiert, mit weiteren Bauteilen kombiniert und zu einer Gesamtbilanz für das Gebäude aggregiert.
Bei Luftfilter‑EPDs werden häufig die Produktphase A1–A3 („Cradle to Gate“) und teilweise der Transport (A4) deklariert. Je nach Programm, PCR und Anforderung können zusätzlich Nutzungsphasen‑Module (z.B. B6 für den energiebedingten Druckverlust) sowie End‑of‑Life‑Module C1–C4 aufgenommen werden, sodass eine „Cradle to Grave“-Betrachtung möglich ist, die durch Modul D um Gutschriften für Recycling oder Energierückgewinnung ergänzt werden kann.
Für Luftfilter sind in EPDs insbesondere das Global Warming Potential (CO₂), der nicht erneuerbare Primärenergiebedarf, der Ressourcenverbrauch für Metalle und Kunststoffe sowie der Wasserverbrauch relevant, weil diese Größen durch Materialwahl, Produktionsprozesse und den energiegetriebenen Druckverlust direkt beeinflusst werden.
Die Tabellen in einer EPD oder Umweltproduktdeklaration sind typischerweise so aufgebaut, dass die Umweltindikatoren zeilenweise und die Lebenszyklus‑Module (z. B. A1–A3, A4, B6, C1–C4, D) spaltenweise aufgeführt sind; pro funktionaler Einheit – etwa „ein Filter über die Standzeit“ – lässt sich so ablesen, welcher Lebenszyklus‑Abschnitt welchen Beitrag zur Gesamtwirkung leistet.
Luftfilter‑EPDs können neben den Umweltkennzahlen zusätzliche technische Informationen, etwa zur Filterklasse nach ISO 16890 (z. B. ePM1‑Wirkungsgrad), zu Anfangs‑ und Enddruckverlust, empfohlenen Standzeiten, typischen Einsatzgebieten sowie zur Materialzusammensetzung enthalten – alles Faktoren, die Entscheider bei der Interpretation der Umweltwirkungen und der Planung des Einsatzes unterstützen.
Filterklasse, Druckverlust und Standzeit wirken zusammen auf die Umweltbilanz: Höhere Abscheidegrade können den Material- und Druckverlust erhöhen, während längere Standzeiten die Anzahl der Wechsel verringern, aber den mittleren Druckverlust steigen lassen; in der EPD spiegelt sich dies insbesondere im Verhältnis zwischen herstellungsbedingten Effekten (A1–A3) und energiebedingten Wirkungen in der Nutzung (B6) wider.
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